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Lisa Woytowicz und Timo van Alst sind derzeit unsere Schülerstudenten.




An dieser Stelle berichten die beiden in unregelmäßigen Abständen über ihre "Erlebnisse" in "der neuen Welt".


(Wim)

Was bisher geschah...

Nachdem man uns vorgeschlagen hatte, ein Schülerstudium an der Uni Duisburg-Essen zu absolvieren, und wir dieses Angebot begeistert angenommen hatten, bekamen wir eine Führung durch die Universität, in der uns alles Wichtige gezeigt wurde. Unser erster Eindruck war gut. Die Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Uns wurden fast die gleichen Rechte wie den „normalen“ Studenten eingeräumt: Zugang zur Bibliothek, zum Uni-internen Computer-Netzwerk und - am wichtigsten - die ermäßigten Preise fürs Essen in der Mensa. Wir entschieden uns für die Studiengänge Politikwissenschaft bzw. theoretische Informatik, Elektrotechnik und Physik. Hier nun, (für alle, die es interessiert) unser Blog:

Mittwoch, 21.04.2010 – mein erster Tag an der Uni Duisburg. An diesem Tag hatte ich das Gefühl, dass mir jeder direkt ansähe, dass ich keine „richtige“ Studentin bin. Zuvor hatte ich mich wochenlang auf diesen Tag gefreut, doch mit Betreten des Uni-Geländes stellte sich zusätzlich zu der Vorfreude ein wenig Unsicherheit ein. Der Campus war mir zwar nicht mehr ganz so fremd, da eine Mitarbeiterin der Uni mit uns am Anfang des Semesters eine Führung gemacht hatte, doch zwischen so vielen Studenten in Kleingruppen kommt man sich als Einzelner ziemlich verloren vor. Da mir die naturwissenschaftlichen Fächer nicht so sehr zusagen, hatte ich mich für das Fach „Politikwissenschaft“ entschieden. Meine erste Vorlesung - „Die Sozialstruktur Deutschlands im europäischen Kontext“ - begann um 12 Uhr, ich war jedoch schon eine Stunde früher auf dem Campus eingetroffen, um erstens nicht zu spät zu kommen und zweitens um mich schon einmal grob zu orientieren. Vor dem Audimax herrschte reges Treiben, da sich direkt daneben die Unibibliothek befindet, die mitunter einer der wichtigsten Treffpunkte für die Studenten zu sein scheint, zumal dort die „wichtigsten“ Informationen ausgetauscht werden, wurden an diesem Tag doch die Flyer für die nächste Hochschulparty verteilt. Kurz entschlossen ging ich in die Bibliothek hinein, um meinen bereits im Internet beantragten Bibliotheksausweis abzuholen. Natürlich wollte ich es mir daraufhin nicht nehmen lassen, mir die Bibliothek einmal genauer anzuschauen. Ich musste jedoch sehr schnell feststellen, dass dieses Gebäude viel zu riesig ist, als dass man auch nur annähernd einen wirklichen Überblick darüber gewinnen könnte, wenn man mit einer derartigen Masse an Büchern zuvor noch nie konfrontiert worden ist. Alle Bücher befinden sich in einem Verzeichnis auf der Internetseite der Uni Duisburg-Essen. Um Einsicht in diesen Katalog erhalten zu können, muss man dort registriert sein. Über eine Suchmaschine kann man jedes Buch, das sich in der Bibliothek befindet, ausfindig machen. Anhand einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen erhält man Auskunft über den genauen Standort des Buches im Bibliotheksgebäude. Ich kann jedoch aus eigener Erfahrung sagen, dass man, selbst wenn man diese Nummer herausgefunden hat, es ein sehr schwieriges Unterfangen ist, das gewünschte Buch folgend auch wirklich zu finden. Allerdings hege ich die Hoffnung, dass dies mit der Zeit immer besser funktionieren wird. Neben dem Zugang zu sämtlichen Büchern kann man in der Bibliothek auch kostenlos das Internet nutzen. Außerdem stehen sämtliche Räume zur Verfügung, in denen man an Tischgruppen zusammen lernen kann. Obwohl es in dem Gebäude immer voll zu sein scheint, herrscht dort eine unglaubliche Ruhe. Kurz vor 12 Uhr habe ich mich auf den Weg zum Audimax gemacht, um meine erste Vorlesung auf keinen Fall zu verpassen. Doch weder vor noch in dem Gebäude befanden sich sonderlich viele Studenten. Diese trafen erst gegen 12:15 Uhr dort ein, zusammen mit dem Professor. An der Uni haben die Vorlesungen eine offizielle Dauer von zwei Stunden. Die tatsächliche Vorlesungsdauer beträgt allerdings eineinhalb Stunden. Man fängt einfach 15 Minuten später an und hört 15 Minuten früher auf. Für mich war das die erste wichtige „Lektion“, die ich hinsichtlich des Uni-Lebens gelernt habe. Meine beiden Vorlesungen verliefen sehr unterschiedlich. In der ersten Vorlesung hat der Professor uns erst einmal einen Überblick verschafft, welche Themen wir im Verlauf des Semesters behandeln werden. Dabei hat er direkt schon die ersten Grundlagen vermittelt und uns eine Liste mit geschätzten 20 Büchern gegeben, die zwar keine Lehrbücher für die Vorlesung seien, jedoch sehr geeignet wären, das Wissen zu vertiefen. Während dieser Vorlesung habe ich alles fleißig mitgeschrieben, was sich später jedoch als überflüssig herausstellte. Grund für diesen Umstand war der sogenannte Semesterapparat. Ich hatte das Passwort und die Benutzererkennung für selbigen in der ersten Vorlesung mitgeschrieben, ohne zu wissen, um was es sich bei einem Semesterapparat überhaupt handelt. In der zweiten Vorlesung fand ich dann eher zufällig des Rätsels Lösung. Kurz vor Beginn tippte mir eine Studentin von hinten auf die Schulter und fragte mich, ob es für die Vorlesung einen Semesterapparat gäbe. Ich habe sie ziemlich fragend angeschaut, ihr erklärt, dass ich keine Ahnung habe, weil ich Schülerstudentin sei, und meine Sitznachbarin gefragt. Diese konnte erstens die Frage mit „Ja“ beantworten und zweitens mich darüber aufklären, dass es sich bei dem Semesterapparat um ein Verzeichnis aller Folien im Internet handelt, die bei den Powerpoint-Präsentationen in den Vorlesungen verwendet werden. Für jede Vorlesung erhalten die Studenten eine Benutzererkennung und ein Passwort, mit dem man immer nur die Folien einer bestimmten Vorlesung abrufen kann. So müssen die Studenten weniger mitschreiben und haben alle Informationen, die sie für die Klausur am Ende des Semesters benötigen, vorliegen. Die Vorlesung im Anschluss an dieses klärende Gespräch musste abgebrochen werde, da der Professor vergessen hatte, dass man im Audimax, in dem mehrere hundert Leute Platz finden, als Dozent ein Mikrofon benötigt. Nach einigen kläglichen Versuchen, die Informationen mittels Schreien aus den vorderen Reihen an die hinteren weiter zu geben, wurde die Vorlesung auf den Vorschlag eines Studenten hin beendet.

Mittwoch, 28.04.2010 – Mittwoch, 19.05.2010
Es folgt eine Zusammenfassung meiner Uni-Tage in dem oben angegebenen Zeitraum, da der Blog erst einige Wochen nach Semesterbeginn veröffentlicht wurde. Die folgenden Blogs werden sich immer auf nur einen Tag an der Uni beziehen. Innerhalb der bereits genannten Zeit war ich an drei Tagen an der Uni. Am 05.05.2010 musste ich meinen Uni-Aufenthalt leider einmalig ausfallen lassen, da ich am Belgienaustausch unserer Schule teilgenommen habe. Als Schülerstudent darf ich im Semester ca. 3-4 Mal fehlen. Meine Anwesenheit muss ich nach jeder Vorlesung, der ich beiwohne, vom Dozenten durch eine Unterschrift bestätigen lassen. Meine beiden Dozenten haben sich während meiner kurzweiligen aber regelmäßigen „Besuche“ als sehr freundlich und hilfsbereit erwiesen. Einer der beiden hat mich am Tag des Musikfestes sogar früher gehen lassen, damit ich dort nicht zu spät erscheine. Innerhalb meiner ersten Wochen an der Uni ist mir Einiges in Bezug auf das Uni- bzw. Studentenleben aufgefallen. Darunter befinden sich die unterschiedlichsten Dinge. Diese sind zum Teil kurios, zum Teil erfüllen sie (zumindest was die Studenten in Duisburg betrifft) gängige Klischees und meine „Erkenntnisse“ bringen mich immer wieder aufs Neue zum Staunen oder auch zum Nachdenken. Meine wichtigste Erkenntnis war die folgende: Die Anzahl der Studenten vor dem Audimax im Vergleich mit der Anzahl der Leute im Audimax ist definitiv wetterabhängig. Wenn die Sonne scheint, sind die Vorlesungen schlechter besucht, vor dem Bibliothek werden Würstchen gegrillt und kostenlos verteilt und man hört Äußerungen wie „Ey, bei dem Wetter hab´ ich echt kein´ Bock auf Vorlesung“. Für mich als blutiger Anfänger war diese Aussage natürlich nicht nachvollziehbar, allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass man seine Einstellung ändert, sobald man erst einmal richtig studiert. In der fünften Klasse findet man die Schule schließlich auch spannender als in der zwölften. Die Leute, die trotz guten Wetters in der Vorlesung sitzen, können ihren Unmut über diesen Umstand jedoch schlecht verbergen. Er äußert sich in einem deutlich gehobenen Geräuschpegel und einem daraus resultierenden entnervten Dozenten. Jedoch ist die Sonne nicht die einzige Ursache für das Motivationsproblem eines Studenten. Es gibt eine ganze Liste von Ursachen dieser weit verbreiteten Krankheit, welche ich in meinen weiteren Blogs mit Sicherheit um einige Punkte ergänzen werde. Bisher stehen folgenden Punkte auf meiner Liste: • gutes Wetter • Langeweile • Abneigung gegenüber dem Dozenten • generelle Einstellung á la „Ich hab´ echt kein´Bock“ • schlechtes Wetter Mir ist sehr wohl bewusst, dass der letzte Punkt auf den ersten Blick sinnlos zu sein scheint, allerdings nicht (mehr) mit der nachstehenden Erläuterung. Bei schlechtem Wetter fahren einige Studenten erst gar nicht zu Uni, da sie dann das Risiko eingehen würden, nass zu werden. Bei gutem Wetter fahren sie hingegen dorthin, um sich mit ihren Kommilitonen abzusprechen, was unternommen werden soll, da man bei Sonnenschein ja unmöglich zur Vorlesung gehen kann. Daraus habe ich wiederum gefolgert, dass die Vorlesung dann am besten besucht ist, wenn die Sonne nicht scheint, es aber trocken ist. Bisher hat sich diese Vermutung als richtig erwiesen. Das Kuriose daran ist: In einem gut besetzten Hörsaal ist es bei „durchschnittlichem“ Wetter ruhiger als in einem halb besetzten bei extrem gutem bzw. schlechtem Wetter. Nach dieser kleinen Abhandlung über das Wetter als Faktor in Bezug auf die Motivation und die Anwesenheit von Studenten an der Uni Duisburg könnte man als Leser nun davon ausgehen, dass Studenten ein sehr ruhiges und unbeschwertes Leben führen müssen, doch das Gegenteil ist der Fall. Viele Studenten scheinen unglaublich gestresst zu sein. Der Kaffee- und Zigarettenverbrauch an einer Uni ist meinem Eindruck zufolge mindestens vier Mal so hoch wie innerhalb der Oberstufe an unserer Schule. Allein die chronische Unpünktlichkeit einiger Studenten scheint nicht in dieses Bild zu passen, doch wenn sie dann nach Vorlesungsbeginn im Audimax erscheinen, gleicht der Kaffeebecher in ihrer Hand den vermeintlichen Widerspruch wieder aus. Des Weiteren kennen die meisten Mittel und Wege sich bei fehlender Motivation während der Vorlesung anderweitig zu beschäftigen. Ein erheblicher Teil der Studenten surft im Internet (die Uni hat ein W-Lan-Netz, zu dem alle an der Hochschule eingeschriebenen Zugang haben) und ein weitaus größerer Teil kommuniziert einfach miteinander. Die Entfernung zum Gesprächspartner ist dabei unerheblich; die Lautstärke der Aussagen aber leider nicht. Daher bedienen sich die meisten eher einer Zeichensprache oder es wird einfach geflüstert. Seitdem ich an der Uni bin, weiß ich, dass „flüstern“ ein dehnbarer Begriff ist. Allerdings ist der Geräuschpegel im Audimax auch sehr stark vom Dozenten der Vorlesung abhängig. Der Dozent meiner ersten Vorlesung geht sehr strukturiert vor, bittet um Ruhe, wenn wir zu laut sind und scheint relativ anspruchsvoll aber total nett und fair dabei zu sein. Mein zweiter Dozent ist auch sehr nett, schert sich allerdings nicht darum, ob man seinem Vortrag Aufmerksamkeit schenkt oder nicht. Er nimmt es auch sehr gelassen, wenn Leute mitten in der Vorlesung aufstehen und gehen, was bei ihm leider häufiger vorkommt. Generell ist meine zweite Vorlesung „Politische Institutionen in Deutschland und Europa“ schlechter besucht als die erste. Ich interessiere mich aber für das Thema und auch wenn der Vortrag des Dozenten nicht so lebendig ist, mag ich ihn. Man muss sich dann zwar mehr darauf konzentrieren, der Präsentation zu folgen, aber das mindert meinen Spaß an der Sache nur zu einem äußerst geringen Teil und einfach aufstehen und gehen kann man in der Schule schließlich auch nicht.


Lisa

Heute sollte es also losgehen...

Heute sollte es also losgehen: Einmal die Woche nicht zur Schule sondern zur Uni. Ich stand um 4.45 Uhr auf, damit ich den Zug um 5.45 Uhr nach Duisburg nehmen konnte. Ich war recht begeistert, dass der Zug pünktlich losfuhr und noch begeisterter, dass er pünktlich ankam. Da im Internet stand, dass man die Uni gut zu Fuß erreichen könne, lief ich den restlichen Weg. Ich kam viel zu früh an. Aber gut, so hatte ich wenigstens genug Zeit den Hörsaal zu suchen. Um 7.40 Uhr setzte ich mich in den Hörsaal und wartete auf den Beginn der Vorlesung, welche allerdings erst um 8.15 Uhr startete. Das hat die Ursache, dass die Professoren und überhaupt alle Leute an der Uni für den Beginn der Vorlesung die volle Stunde angeben, in Wahrheit jedoch erst nach Verstreichen des “akademischen Viertels” die Vorlesung beginnen. Die Vorlesung selbst, in diesem Fall Physik war jedoch recht interessant, auch wenn es auf die Dauer recht anstrengend ist, gleichzeitig mitzudenken und mitzuschreiben. Nach der Physik-Vorlesung suchte ich nun nach dem Hörsaal für Elektrotechnik, und hier ergab sich ein weiterer Unterschied zur Schule: Während man das Schulgelände in ein paar Schritten durchmisst, so kann man von einem zum nächsten Hörsaal durchaus ein paar Minuten laufen. Nachdem ich auch diesen Hörsaal gefunden hatte, wunderte ich mich über die (im Vergleich zu Physik) enorme Anzahl von Teilnehmern. Wie ich jedoch bald feststellte, war ich in die falsche Veranstaltung geraten, was allerdings nicht an mangelnden navigatorischen Fähigkeiten meinerseits lag, sondern daran, dass man die Räume getauscht hatte. Zum Glück befand sich der neue Raum im selben Gebäude, so dass ich dessen ungeachtet pünktlich erschien. Der Vortrag, im Gegensatz zu Physik ganz mit dem Beamer gehalten, war sogar recht verständlich, auch wenn ich mir die Folien nicht vorher ausgedruckt hatte, wie die meisten Anderen, die sich nun heiter direkt auf den Folien Notizen machen konnten, was mir natürlich verwehrt war, und ich deshalb auch noch die Folien abzeichnete, wenn genug Zeit dazu blieb. Als nächstes hatte ich Informatik: “Automaten- und formale Sprachen” um genau zu sein, was an diesem Tag die unverständlichste Vorlesung für mich wahr, und zwar aufgrund von vielerlei Zeichen und Ausdrücke, denen ich keine Bedeutung beimessen konnte. Wie ich mir Informatik-Studenten vorgestellt hatte, so waren sie auch: Kaum einer saß ohne Notebook da, und es gab für die Studenten sogar Stromanschlüsse unter den Tischchen. So holte dann auch jeder sein Notebook heraus, schloss es an und surfte, dank Uni-weitem W-Lan-Netz, munter drauflos. Durchaus interessant war, dass viele auch nach Beginn der Vorlesung nicht damit aufhörten. Nachdem ich mir die Unterschrift des Dozenten abgeholt hatte, wie bei allen Vorlesungen, ging ich hinaus und machte mich zur Universitätsbibliothek auf, einem wahren Traum aus Büchern auf mehreren Stockwerken. Nun kam der schwierige Teil des Tages: Einen Bibliotheksausweis beantragen. Ich erfuhr, dass ich zuerst im Internet einen solchen beantragen muss, danach mit einem Ausweis persönlich erscheinen müsse, sowie verschiedene Dokumente mitbringen müsste, z. B. die Erklärung eines Elternteils, Bücher zu ersetzen, in dem Fall dass ich Unfug mit ihnen triebe. Nachdem ich um dies zu erfahren, von verschieden Leuten zu anderen Leuten geschickt wurde, weil sich keiner zuständig fühlte, entschied ich mich die Beantragung eines Ausweises auf nächste Woche zu vertagen. Mit viel geistiger Nahrung im Kopf und wenig normaler Nahrung im Magen, weil ich den ganzen Tag keine Zeit für die Mensa gehabt hatte, verließ ich nun diesen Tempel des Wissens, mit der Absicht nächste Woche wieder zu kommen und mir nun erst einmal etwas zu essen zu kaufen.


Timo


Erstellt am 12/06/2010 21:15 von wge
Aktualisiert am 17/06/2010 15:34 von wge
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