Was bedeutet Nachhaltigkeit für unsere Demokratie? – Young Leaders informiert

Isabella Gironce (Q1) nahm dieses Semester am Frühstudierendenprogramm der Uni Duisburg-Essen teil, mit dem Fokus auf verschiedene Themenbereiche der Kommunikation. Wegen ihres Interesses an Kommunikation und um einen tieferen Einblick darin zu bekommen, wie genau Artikel entstehen und wie die Presse kommuniziert, machte sie beim jugend presse kongress mit. Die young leaders GmbH veranstaltete dieses Event.

Um junge Journalisten zu fördern, haben sie auch einen Journalistenwettbewerb ins Leben gerufen. Einmal im Jahr gibt es die Möglichkeit, an einer Recherchereise in New York teilzunehmen. Diese findet unter Begleitung eines Profi-Journalisten statt. Um beim Wettbewerb mitmachen zu können, sollte man am jugend presse kongress teilgenommen haben und dazu einen Artikel verfassen, der eingereicht wird. Anhand des Artikels werden die besten gewählt und diese dürfen nächstes Jahr an der Recherchereise teilnehmen.

Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs), wie oben abgebildet, sind alle Ziele, die die Vereinten Nationen( UN) bis 2030 gemeinsam erreichen möchten. Diese sind in einem Zukunftsvertrag festgehalten, den alle 193 Mitgliedstaaten unterschrieben haben.

Vom 23. bis 25. Mai 2025 fand unter dem Hauptthema ,,Nachhaltigkeit und Mobilität“ der 201. jugend presse kongress (jpk) statt. Dabei kamen über 100 Schüler aus ganz Deutschland in Potsdam zusammen und nahmen die 17 SDGs genauer unter die Lupe. Das Bildungswerk ,,young leaders“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen, engagierten Menschen ein Netzwerk für intellektuellen Austausch zu bieten. Daher wurden einige Expert:innen eingeladen, die über diverse Themen in Bezug auf Nachhaltigkeit aufklärten.

Prof. Dr. Josef Löffl, der an der Technischen Hochschule Ostwestfahlen-Lippe lehrt, führte zu Beginn mit seinem Vortrag über die 17 SDGs in das Kongressthema ein. Dabei stellte er einige zentrale Punkte fest, unter anderem, dass die Ziele der UN einer Utopie gleichen. Was genau will er damit sagen? Auch wenn es höchst noble Ziele sind, sei es dennoch sehr unrealistisch anzunehmen, dass weltweite Probleme, wie z.B. Armut, Hunger und soziale Ungleichheit innerhalb von 15 Jahren vollständig beendet werden können. Gleichzeitig argumentiert er, dass wir „Utopien als Ziele brauchen, auch wenn sie unerreichbar sind.“ Er sagt, auch wenn es realitätsfern sei, den Zukunftsvertrag einzuhalten, also alle Ziele im vorgegebenen Zeitraum zu erfüllen, ist dieser dennoch sinnvoll. Denn mit einem Ziel vor Augen, so unrealistisch es auch sein mag, sind doch offensichtlich viele Staaten damit beschäftigt, gegen globale Probleme vorzugehen und diese durch verschiedenste Projekte und Initiativen anzugehen.

Anschließend ging es mit Dr. Guido Heinen weiter, der als Ministerialdirigent im Deutschen Bundestag arbeitet. Er vertiefte die Themen Medienwahrnehmung und Desinformation. Hierbei stellte er fest, dass soziale Medien, insbesondere bei jungen Menschen, häufig als primäre Nachrichtenquelle genutzt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich sogenannte ,,Fake-News“ verbreiten, ist hier viel höher als bei klassischen Zeitungen, da mehr Menschen ungeprüfte Beiträge hochladen können. Als weiteren Schwerpunkt setzte er ebenfalls das sogenannte ,,Framing“, auf Deutsch ,,Einrahmen“. Anhand gezielter Beispiele belegte er, wie gefährlich es sein kann, nur einen bestimmten Teil einer Geschichte zu zeigen. Das passiert, wenn man z.B. nur Teile eines Bildes zeigt, Grafiken oder Kontext verfälscht. Konsumenten stehen dadurch unter der Gefahr, Falschinformationen zu konsumieren und weiterzuverbreiten. Desinformationen sind eine Bedrohung für unsere Demokratie, da häufig Hass und undemokratische Werte in Form von verfassungsfeindlichen Inhalten vermittelt werden. Weiterhin berichtet er, dass wir uns gerade in einer ,,Medienkrise“ befinden, da es von Seiten der Leser ein Misstrauen gegenüber den Medien gibt. Ein rationales Hinterfragen ist heutzutage jedoch sinnvoll, vor allem in Anbetracht der ,,Fake News“. Um dem entgegenzuwirken, gibt es aber Recherche-Organisationen, wie z.B. das Correctiv, die Nachrichten prüfen und ggf. richtigstellen.

Demokratie ist eines der geltenden Staatsprinzipien in Deutschland. Dabei ist es wichtig, dass das Volk die freie Entscheidung hat, ihre Vertreter:innen zu wählen. Bei einer Demokratie geht es eben darum, dass jede Stimme zählt.

Doch inwiefern stehen die 17 SDGs mit Demokratie im Zusammenhang? Diese Frage stellten sich einige Jugendliche zu Beginn des Kongresses. Wir leben alle gemeinsam in einer Gesellschaft, die sich ständig weiterentwickelt. Die fairste Form, um miteinander zusammenzuleben, ist die Demokratie. Ohne Demokratie, die Zusammenhalt schafft, gäbe es noch mehr globale Probleme. Und als Gesellschaft im Wandel, ist es unsere Aufgabe, einen positiven Wandel anzustreben. Wie Dr. Löffl bereits erklärte, ist es unrealistisch, beispielsweise Armut oder Krieg komplett abzuschaffen. Doch was wären wir für eine Gesellschaft, wenn wir nicht alles daransetzen würden, es zumindest zu versuchen? Die bestmögliche, utopische Zukunft ist vielleicht nur in der Fantasie möglich, dennoch kein Grund nicht gegen weltweite Ungerechtigkeit anzukämpfen. Denn genau das verbindet die 17 SDGs und Demokratie. Beide sollen für Gerechtigkeit sorgen. Nachhaltig zu sein, bedeutet zukunftsorientiert zu handeln. Nachhaltigkeit hat verschiedene Bereiche, wie z.B. soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit. Alle Bereiche sind darauf ausgerichtet der Gesellschaft bessere Zukunftsmöglichkeiten zu bieten. Demokratie soll Stabilität, Sicherheit und Struktur bieten. Eben, was auch die Ziele der UN sind.

Es lässt sich feststellen, die Ziele sind nicht nur Ziele, sondern repräsentieren auch Werte, welche ausschlaggebend für die freiheitlich demokratische Grundordnung (FDGO) sind. Ergo ist Nachhaltigkeit notwendig zur Demokratiesicherung.

Mit diesen Themen beschäftigten sich die Teilnehmer:innen des jpks ein Wochenende lang. Aus Sicht einer Teilnehmerin, muss ich sagen, dass es wirklich sinnvoll war, sich mit so vielen Menschen über komplexe Fragestellungen auszutauschen. Durch solche Veranstaltungen kann man sich hervorragend weiterbilden und erlernt verschiedene Fähigkeiten, wie z.B. Soft Skills. Die ,,young leaders“ bieten weitere Workshops und Akademien mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. Mehr dazu unter https://young-leaders.net/en.

Prof. Dr. Löffl im Gespräch mit Teilnehmer:innen

(Text/Foto: Isabella Gironce, Q1)