Auslandsmobilität: Interview mit drei Zehntklässlern (Elias Holtkamp, Henrik Zimmermann und Kim Lawtoo), die ein Halbjahr der EF im Ausland verbringen werden

Du hast Dich für ein Halbjahr während der EF im Ausland entschieden: Wo genau wirst Du die Zeit verbringen?
Elias
Ich werde mein halbes Jahr im Ausland in Kanada verbringen, genauer gesagt in der Stadt Vernon in der Provinz British Columbia. Vernon ist eine mittelgroße Stadt mit ca. 60.000 Einwohnern, umgeben von drei großen Seen (Okanaga Lake, Kalamalka Lake, Swan Lake) und direkt an den Rocky Mountains liegend ist es, vor allem in Winter, ein Magnet für Touristen. Es gibt dort insgesamt fünf weiterführende Schulen. Ich werde die „Vernon secondary school“ besuchen, die größte mit ca. 1.000 Schülern. Außerdem werde ich auf eine „Soccer Academy“ gehen, für die ich mich aber zusätzlich bewerben musste. Meine Gastfamilie kenne ich noch nicht, aber durch meine Wünsche, die ich angeben konnte, wird es wahrscheinlich eine Familie mit Kindern, die Sport mag und die politisch interessiert ist. Die meiste Zeit werde ich wahrscheinlich in der Soccer Academy verbringen, da mein Schultag von 8:30-15:00 Uhr geht und ich dann ab 18 Uhr meine Zeit in der Academy verbringe werden. Die Wochenenden werden jedoch wahrscheinlich, da ich im Herbst und Winter in Kanada bin, in den Berg mit Ski fahren verbracht oder mit Ausflügen mit der Schule oder der Familie.
Henrik
Meine Zeit werde ich in einer kleinen Stadt namens Langley in der Nähe von Vancouver (Kanada) verbringen. Dort werde ich die Walnut Grove Secondary School besuchen, weil diese Schule einen besonderen Fokus auf Naturwissenschaften und auf Sport legt.
Kim
Für das Halbjahr werde ich zu meiner Großmutter in den italienischsprachigen Teil der Schweiz ziehen, also nur wenige Kilometer von der Grenze zu Italien entfernt, in einem kleinen Dorf namens San Vittore. Die nächste etwas größere Stadt wäre Bellinzona.
Warum hast Du Dich für dieses Land/diese Region entschieden?
Henrik
Ursprünglich hatte ich mir überlegt, meinen Aufenthalt in den USA zu verbringen, aber dann hat mich doch die Natur und das schulische Programm in Kanada überzeugt, weil es besonders ist und es in der Schule deutlich mehr Auswahl aus verschiedenen beruflichen Bereichen gibt. Ich habe mich für Langley entschieden, weil ich nicht in die Großstadt wollte.
Wie bist Du auf die Idee gekommen?
Kim
Die Idee kam relativ spontan. Ich habe den in der neunten Klasse ausgeteilten Infozettel meinen Eltern gegeben und mir keine großen Hoffnungen gemacht, da es ja für alle Arbeit ist, so etwas zu organisieren. Doch meine Eltern meinten plötzlich, dass es rein theoretisch umsetzbar wäre. Da war ich natürlich begeistert und habe direkt zugestimmt.
Wie ist das Auslandsjahr organisiert?
Elias
Als erstes bin ich zu Messen gegangen, wo verschieden Organisationen ihre Programme vorgestellt haben. Man muss nicht direkt eine Vorstellung haben, wohin man gerne möchte, denn meistens wird man je nach Interessen vor Ort beraten. Nach der Beratung kristallisiert sich dann schnell heraus, welches Land in Frage kommt. Wenn man der Meinung ist, dass man genug Eindrücke und Angebote von Organisationen bekommen hat, dann muss man sich natürlich für einen Anbieter entscheiden. Meistens folgen dann kostenlose Beratungsgespräche per Face Time, in denen man oftmals schon das Land, wenn nicht sogar den Bezirk, grob festlegen kann. Nachdem man sich mit der Organisation und dem Ort hundertprozentig sicher ist, beginnt die Vorbereitung. Die ersten Kosten stehen an und man geht zu Workshops, die allerdings nicht bei jeder Organisation angeboten werden. Meistens finden noch Elternabende statt, wo nochmal genauer auf die Kosten geschaut wird und Fragen z.B. zur Versicherung geklärt werden. Dann heißt es eigentlich nur noch abwarten. Meistens lernt man die Gastfamilie erst zwei bis acht Wochen vor Beginn des Auslandjahres kennen und danach kann es schon losgehen. In manchen Organisationen gibt es nach dem Auslandsjahr noch ein Treffen, wo man alles bespricht und auch der Organisation Feedback geben kann.
Welche Erwartungen oder auch Ängste verbindest Du mit dem Auslandsjahr?
Henrik
Ich glaube ich erwarte eine Zeit, in der ich viel erleben und sehen werde. Besonders, weil
ich glaube, dass ich in Kanada meine Möglichkeiten viel mehr ausschöpfen kann,
speziell in Bezug auf Sport und Natur. Meine einzige Sorge ist, dass ich mich mit meiner
Gastfamilie vielleicht nicht ganz so gut verstehen werde, oder, dass ich in Kanada auf mich
allein gestellt bin, weil ich zum Beispiel nicht mal eben meine Eltern fragen kann,
sondern oft auch einfach selber herausfinden muss, was jetzt wie zu tun ist.
Worauf freust Du Dich besonders?
Kim
Vor allem freue ich mich auf die Zeit, die ich in den Alpen verbringen kann, da ich die Natur und die Berge sehr mag, und auf die lange Zeit mit meiner Großmutter. Im Übrigen freue ich mich auf den Tischtennisverein, da er etwas größer ist als der in Emmerich, und es eine gute Chance ist, andere Jugendliche, die diesen Sport betreiben, kennenzulernen.
Was erhoffst Du Dir persönlich? Welche Fähigkeiten möchtest Du für Dich ausbauen?
Elias
Ich erhoffe mir nach dem halben Jahr, dass sich mein Englisch massiv verbessert und ich neue Eindrücke aus einer ganz anderen Kultur kennenlerne. Außerdem hoffe ich, dass sich durch die Soccer Academy mein fußballerisches Können verbessert.
Was glaubst Du, wirst Du am meisten vermissen?
Elias
Ich werde nichts wirklich vermissen, da ich weiß, dass ich nur gut fünf Monate weg bin. Solange meiner Familie auch nichts passiert, während ich weg bin, werde ich auch keine Angst oder Sorgen haben, oder etwas vermissen.
Henrik
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich am meisten meine Familie vermissen werde und
die Zeit, die ich mit meinen Freuden verbringe, aber das wir wahrscheinlich nach ein bis zwei
Wochen verschwinden, weil ich in Kanada viele Eindrücke bekommen werde und diese
Ängste hoffentlich in den Hintergrund verschwinden.
Kim
Heimweh werde ich höchstwahrscheinlich nicht haben, allerdings werde ich meine Freunde und ein paar Lehrer vermissen. Am meisten jedoch meine kleine Schwester.
(Text/ Foto: Mathias Hammann)

