Vom quantenphysikalischen Atommodell über moderne Sklaverei bis zur selbstgebauten Fenstervorrichtung: Beim Akademieabend des Projektmodells zeigten Schülerinnen und Schüler in acht Vorträgen, was ein Schuljahr eigener Neugier zustande bringt.
EMMERICH AM RHEIN. Ein bisschen Lampenfieber, eine Menge Vorfreude – und richtig spannende Themen: Am Dienstag, dem 24. Juni, hieß es um 18:00 Uhr im Pädagogischen Zentrum (PZ) des Städtischen Willibrord-Gymnasiums Emmerich zum bereits elften Mal „Bühne frei“ für den Akademieabend. Schülerinnen und Schüler präsentierten Eltern, Geschwistern, Freundinnen, Freunden und Lehrkräften in acht Vorträgen, woran sie ein ganzes Schuljahr lang neben dem normalen Unterricht in Eigenregie getüftelt, geforscht und gefeilt haben.
Begrüßt wurden die Gäste vom kommissarischen Schulleiter Dr. Frank Meetz. Durch den Abend führte das betreuende Lehrer-Duo des Projektmodells, Dr. Tim Nebelung und Nele Janke – gut gelaunt und sichtlich stolz auf ihre Schützlinge.
„Wir gießen die Pflänzchen – wachsen müssen sie allein“
Bevor es losging, erklärte Dr. Tim Nebelung dem Publikum, was das Projektmodell eigentlich ausmacht: Eine Stunde pro Woche dürfen die Teilnehmenden den regulären Unterricht verlassen, um an ihrem eigenen Thema zu arbeiten. Angesprochen werden die Jugendlichen direkt von ihren Lehrkräften – und zwar nicht ausschließlich nach Notenschnitt. Gesucht sind vielmehr besondere Begabungen und der Mut, eigenständig zu arbeiten. „Unsere Aufgabe als betreuende Lehrer ist es, die Pflänzchen zu gießen und zu fördern – wachsen müssen sie alleine“, brachte es Nebelung mit einem Augenzwinkern auf den Punkt. Wie anspruchsvoll dieser Weg ist, zeigte eine Zahl, die er gleich mitlieferte: Zwanzig Schülerinnen und Schüler hatten zu Beginn des Schuljahres angefangen – zwölf von ihnen standen an diesem Abend auf der Bühne. „Genau das macht das, was Sie heute sehen, so wertvoll“, ergänzte Nele Janke sinngemäß und versprach dem Publikum einen abwechslungsreichen Abend.
Das Grußwort übernahm Katja Strauss, Schülerin aus der Einführungsphase. Sie weiß, wovon sie spricht: Gleich viermal hat sie schon mitgemacht. Das Projektmodell, so Strauss sinngemäß, sei eine tolle Möglichkeit, sich richtig tief in ein Thema zu vertiefen und die eigenen Interessen und Begabungen zu fördern.
Den Anfang machte Viktoria Schmitz (8c) mit einer Frage, die unsere Gesellschaft umtreibt: Warum wollen so wenige junge Menschen in der Altenpflege arbeiten – und warum ist das ein Problem? Anschließend wurde es technisch: Mourice Babinsky (10a) stellte eine selbsttätige Fensteröffnungs- und Schließvorrichtung vor.
Dass Umweltschutz auch schön sein kann, bewiesen Lotta Falk, Lia Niebergall und Marie Hoffmann (7c) unter dem Motto „Aus Verschmutzung wird Schönes“. Alina Verholen und Alena Kappert (6c) nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch den eigenen Körper und erklärten, was beim Turnen in uns passiert.
Nach der Pause ging es ebenso vielfältig weiter: Marnie Brüner (6b) entführte die Gäste in die bunte Welt der japanischen Popkultur, ehe Adora Alken und Polina Chorowiec ein ernstes Thema auf die Bühne brachten – die moderne Sklaverei. Julius Lohmann (10a) wagte sich an das quantenphysikalische Atommodell, und zum Abschluss regte Emil Schuricht (EF) mit dem Gedankenexperiment vom ertrinkenden Kind („The drowning child“) zum Nachdenken über moralische Verantwortung an.
Ein Abend, der Mut macht
Der Akademieabend ist am Willibrord-Gymnasium längst Tradition und Teil der Begabtenförderung. Er soll Wissen vermitteln, vor allem aber den Jugendlichen die Scheu vor Auftritten nehmen und sie auf die Oberstufe vorbereiten. Wer an diesem Abend zuhörte, ging mit reichlich Stoff zum Weiterdenken nach Hause.
Zum Schluss gab es Applaus und ein herzliches Dankeschön – an die Technik, die für einen reibungslosen Ablauf sorgte, und an alle Lehrkräfte, die die jungen Talente über das Jahr begleitet haben. Fazit eines gelungenen Abends: Auch der elfte Akademieabend hat gezeigt, wie weit man kommt, wenn man jungen Menschen Raum für ihre eigenen Ideen gibt.
(Text: Ralf Wimmers/ Fotos: Ralf Wimmers, Katrin Hellmund)
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