Hinter den Kulissen des Flughafens München
Im Juli 2026 habe ich mein einwöchiges Schulpraktikum bei der Konzernsicherheit am Flughafen München gemacht. Da ich mich schon lange für Flugzeuge und die Abläufe an Flughäfen interessiere, nutzte ich die Gelegenheit, dass mein Bruder auch am Flughafen arbeitet, und wollte einmal sehen, was dort hinter den Kulissen passiert. Schon vor dem Praktikum musste einiges organisiert werden, zum Beispiel ein Flughafenausweis und eine Zuverlässigkeitsüberprüfung, damit ich in den Sicherheitsbereich darf.
Am ersten Tag ging es für mich hauptsächlich darum, den Flughafen kennenzulernen, Bilder zu machen und einen ersten Eindruck zu bekommen. Trotzdem gab es direkt einen C2-Alarm, also ein Ereignis mit Personenschaden, in einer Boeing. Dadurch habe ich schon am ersten Tag gemerkt, wie schnell sich der ruhige Arbeitsalltag verändern kann.
Der Dienstag war dagegen deutlich ruhiger. Ich habe mir gemeinsam mit einer Mitarbeiterin die neue Erweiterung von Terminal 1 angesehen und bin dann zufällig auch in der Gepäckabfertigung gelandet. Das fand ich besonders interessant, weil man diesen Bereich als normaler Fluggast eigentlich nie zu sehen bekommt und dort viel Technik und interessante Maschinen verbaut sind.
Am Mittwoch wurde es dann deutlich ereignisreicher. Zuerst sollten wir ein Auto abschleppen lassen, wobei ein Teil der Abschleppvorrichtung beschädigt wurde. Später haben wir dann eine Kollision zwischen einer Fluggastbrücke und einem Vorfeldfahrzeug aufgenommen und eine Schadensmeldung geschrieben. Doch besonders spannend war für mich ein weiterer C2-Alarm. Ein Passagier mit Kreislaufproblemen wollte das Flugzeug zunächst nicht verlassen. Deshalb waren Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort, um diese Person und seine Familie aus dem Flugzeug zu holen. Am Ende konnte das Flugzeug ungefähr eine Stunde später starten.
Mein spannendster Tag war aber der Donnerstag. Morgens durfte ich die Aussichtsplattform des Towers (56 m) besuchen und hatte von dort eine richtig gute Aussicht über den Flughafen. Besonders beeindruckend war es, Flugzeuge wie den Airbus A380 und die Boeing 777 beim Starten und Landen zu beobachten.
Später wurden wir zu einem Lufthansa A350 gerufen, weil eine Flugbegleiterin starke Rückenschmerzen hatte. Während die Rettungskräfte sich um sie kümmerten, half ich dabei, ihr Gepäck über eine Treppe der Feuerwehr zum Rettungswagen zu bringen. Die Crew bot uns danach sogar übrige warme Schokocroissants an und der Copilot gab uns noch einiges an Schokolade für die Kollegen mit.
Kurz danach gab es zwei A4-Alarme. Dabei handelt es sich um Ereignisse mit Flugzeugen am Boden. Bei beiden Flugzeugen war Kerosin beim Tanken ausgelaufen bzw. das Flugzeug wurde übertankt, und bei unserem Flugzeug bildete sich eine Pfütze von ca. 80 m² voller Kerosin. Besonders beeindruckend fand ich dabei die großen Panther-Löschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr. Da beide Flugzeuglöschzüge
gleichzeitig im Einsatz waren, konnten für ungefähr 20 Minuten keine Flugzeuge starten oder landen. Am Flughafen gibt es das ungeschriebene Gesetz, dass, wenn mal was passiert, es gleichzeitig passiert, es gibt Stunden an Ruhe, aber wenn mal was los ist, dann richtig.
Natürlich bestand mein Praktikum nicht nur aus solchen spannenden Ereignissen. Zwischendurch habe ich auch gesehen, wie Unfallberichte geschrieben wurden, Aufgaben am Computer erledigt und normale organisatorische Dinge gemacht wurden. Außerdem gehörten die Pausen und damit Besuche in der Kantine natürlich auch zum Arbeitsalltag dazu.
Am Freitag gab es noch zwei weitere C2-Alarme. Freundlicherweise wurde mir der letzte Praktikumstag von der Schule genehmigt, sodass ich die Woche ganze am Flughafen verbringen konnte. Insgesamt hat mir das Praktikum sehr gut gefallen. Ich würde jedem ein solches Praktikum empfehlen, wenn es denn geht. Bei Einsätzen
mitzufahren, in Flugzeugen rumzulaufen und die Ecken eines Flughafens zu sehen, die man eigentlich nie zu sieht, ist eine wahnsinnige Erfahrung.
(Text/Foto: Kilian Bayer)






