Konzentration, Druck und starke Nerven – Mein Turnier beim Hoogeveen Chess Open 2026
Vom 10. bis zum 17. Oktober nahm ich bereits zum dritten Mal in Folge am Hoogeveen Chess Open teil. Nachdem ich vor zwei Jahren bei diesem Turnier meine bisher beste Turnierleistung erzielt hatte, lief es im vergangenen Jahr alles andere als rund. Die Devise für dieses Jahr war also klar: an die Leistung von vor zwei Jahren anknüpfen.
Während ich damals bereits in der ersten Runde gegen einen deutlich stärkeren Gegner spielte, war die Ausgangssituation dieses Jahr eine andere: In den vergangenen zwei Jahren hatte ich mich verbessert und belegte nun Rang 12 der Setzliste. Somit bekam ich in der ersten Runde einen vermeintlich schwächeren Gegner, gegen den ich als Favorit in die Partie ging.
Zunächst sah es auch sehr gut aus: Ich spielte eine hervorragende Partie, erreichte eine Gewinnstellung und hatte zudem einen Zeitvorteil. Leider ist Schach aber nun einmal brutal, und so unterlief mir nach über drei Stunden nahezu perfekten Spiels ein Fehler – plötzlich stand ich komplett auf Verlust. Wichtig ist es in solchen Situationen, den Fehler schnell abzuhaken. Die Partie geht schließlich weiter, und nun muss der Gegner erst einmal beweisen, dass er diese Stellung auch gewinnen kann. Natürlich ist das leichter gesagt als getan: In diesem Moment ärgert man sich selbstverständlich und ist frustriert, was häufig zu weiteren Fehlern führt. Glücklicherweise gelang es mir jedoch, den Fokus zu bewahren und durch sehr genaue Verteidigung noch ein Remis zu erzielen. Definitiv nicht der erwünschte Start, aber immerhin war das Horrorszenario gerade noch abgewendet. Nun war es allerdings essenziell, in den nächsten Runden sehr gut zu spielen, um noch eine Chance auf eine vordere Platzierung zu behalten.
Und dies gelang mir zunächst auch: Nach sieben Runden standen drei Siege und vier Remis zu Buche – also fünf Punkte aus sieben Partien und ein bis dahin sehr zufriedenstellender fünfter Platz.
Die Ausgangslage für die achte Runde war also folgende: Ein Remis wäre in Ordnung, ein Sieg fantastisch. Würde ich diese Runde verlieren, wäre das Turnier für mich allerdings gelaufen.
Die sichere Variante zu wählen, wäre angesichts der Ausgangslage durchaus nachvollziehbar gewesen. Für mich kam das allerdings kaum infrage: Ich möchte jede Partie gewinnen, unabhängig vom Gegner oder der aktuellen Turniersituation. Ganz ausblenden konnte ich die besondere Ausgangslage dennoch nicht – immerhin hätte mir ein Sieg bereits ein Preisgeld garantiert.
Und diese achte Partie hatte es in sich. Aus der Eröffnung heraus erhielt ich eine sehr angenehme Stellung und versuchte lange, auf Gewinn zu spielen, hatte allerdings nur noch wenig Zeit auf der Uhr. Und so geschah es, wie es kommen musste: Ich machte einen kleinen Fehler nach dem anderen, und plötzlich wurde aus einer sehr guten Stellung eine unangenehme – zwar noch verteidigbar, aber bereits sehr schlecht. Und da ein Fehler selten allein kommt, zog ich schließlich mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr meinen Springer nach vorne – ein Zug, der die Partie unmittelbar verlor.
Nach dieser dramatischen Partie ging es in Runde neun nur noch darum, das Turnier versöhnlich zu beenden. Auch in dieser Partie geriet ich allerdings wieder unter massiven Druck. Glücklicherweise gelang es mir jedoch, durch präzise Verteidigung nach über fünf Stunden Spielzeit noch das Remis zu retten. Nach der Partie des Vortages, die man sicherlich nicht einfach nach einer Nacht Schlaf ausblenden kann, war dies vermutlich die Partie, auf die ich am stolzesten war. Es gelang mir, mich trotzdem voll auf das Spiel zu konzentrieren und mich nicht in Gedanken darüber zu verlieren, was hätte sein können.
Insgesamt war es mit 5,5 Punkten aus neun Partien ein etwas enttäuschendes Turnier, da deutlich mehr drin gewesen wäre, hätte ich die dramatische achte Runde nicht verloren. Dennoch bin ich sehr zufrieden damit, dass ich keine Angst davor hatte, diese Risiken einzugehen, und sehr stolz darauf, nach dieser schweren Partie in der letzten Runde noch das Remis gerettet zu haben.
(Text/Foto: Emil Schuricht, Q1)



